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Operation Phantom Fury
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Die Operation Phantom Fury (englisch fĂŒr gespenstische Wut), auch bekannt unter dem Namen Operation Al-Fadschr (Operation Al Fajr) (arabisch fĂŒr MorgendĂ€mmerung), war eine Offensive von amerikanischen und irakischen Soldaten gegen die Stadt Falludscha. Infolge des Irakkriegs hatte sich die Stadt in der Zeit der amerikanischen Besatzung als Rebellenhochburg etabliert. Die Operation wurde von der irakischen Übergangsregierung genehmigt und begann am 8. November 2004. Das US-MilitĂ€r gab nach der Schlacht bekannt, dass es sich um den schwersten HĂ€userkampf seit der Schlacht um Huáșż in Vietnam, die im Jahre 1968 stattfand, gehandelt habe.

Die Operation Phantom Fury war die zweite Offensive, die gegen die AufstĂ€ndischen in Falludscha durchgefĂŒhrt wurde. Sie erfolgte im Anschluss an die Operation Vigilant Resolve, die vom 4. bis 9. April desselben Jahres stattgefunden hatte. Diese Operation war beendet worden, nachdem lokale FĂŒhrer versprochen hatten, fĂŒr eine Entspannung der Situation in Falludscha zu sorgen. Im Anschluss an Phantom Fury wurde ab dem 23. November 2004 die Operation Plymouth Rock durchgefĂŒhrt.

Die Kampfhandlungen wÀhrend der Operation werden zunehmend auch als die Zweite Schlacht von Falludscha bezeichnet.

Contents

‱ Auswertung
‱ Verluste
‱ Fazit
‱ Zitate
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Falludscha vor der Operation

Am 29. April 2003 kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung vor einem SchulgebĂ€ude am Stadtrand von Falludscha. Dort demonstrierten – nach Berichten von Einwohnern unbewaffnete – Jugendliche und Eltern gegen die Besetzung der Schule durch US-Truppen, die dort einen StĂŒtzpunkt eingerichtet hatten. Aus der Demonstration entwickelte sich ein Feuergefecht zwischen US-Truppen und den Demonstranten, bei dem 16 Iraker starben und 65 verletzt wurden. Nach Angaben der US-Regierung seien die Soldaten vorher aus der Menge heraus beschossen worden und hĂ€tten auf den Angriff reagiert. Eine unmittelbare Folge dieses Zwischenfalls war ein massiver Guerillakampf der sunnitischen Bevölkerung im sunnitischen Dreieck gegen die Besatzungsmacht, dem auch zwei französische Zivilisten zum Opfer fielen. Aufgrund dieses Kampfes musste sich die 82. Luftlandedivision der US-Armee im Dezember 2003 aus der Stadt zurĂŒckziehen. Am 20. MĂ€rz 2004 ĂŒbernahm die 1st Marine Expeditionary Force die militĂ€rische Verantwortung fĂŒr die Stadt.

Die bei Falludscha in der Basis Mercury stationierten Einheiten der 82. Luftlandedivision wurden von den Einwohnern Falludschas als die „mörderischen Wahnsinnigen“ bezeichnet (Murderous Maniacs),cite-ref-3[3] weil diese Gefangene misshandelt haben sollen.

Durch den RĂŒckzug der amerikanischen Truppen wurde die Stadt zu einer Hochburg fĂŒr Rebellen und AufstĂ€ndische und bot Terroristen wie dem Jordanier Abu Musab az-Zarqawi einen Zufluchtsort. Az-Zarqawi hatte die Terrorgruppe at-TauhÄ«d wa-l-Dschihād gegrĂŒndet, die fĂŒr zahlreiche EntfĂŒhrungen und Morde verantwortlich ist, darunter auch die Enthauptung des amerikanischen Aufbauhelfers Nick Berg.

Am 31. MĂ€rz 2004 kam es zu einem Überfall in Falludscha, bei dem AufstĂ€ndische einen Wagen mit vier Amerikanern (US-Berichte sprachen zunĂ€chst von zivilen Wiederaufbauhelfern) beschossen und die Insassen töteten. Eine aufgebrachte Menge zerrte die Körper aus dem Auto und schĂ€ndete die Leichname. Die Leichen der Amerikaner wurden verbrannt und die verkohlten Überreste auf der Euphrat-BrĂŒcke aufgehĂ€ngt. Das Geschehen wurde von Fernsehkameras festgehalten und die Bilder gingen um die Welt. Besonders in Amerika verursachten sie einen Schock, denn sie erinnerten an die Schlacht von Mogadischu in Somalia, wĂ€hrend der zwei getötete US-Soldaten, SFC Randy Shughart und MSG Gary Ivan Gordon, durch die Straßen der Hauptstadt Somalias geschleift worden waren. SpĂ€ter stellte sich heraus, dass es sich bei den getöteten Amerikanern um Mitarbeiter des US-Unternehmens Blackwater Security Consulting handelte.

Eine Folge des Anschlags war die Operation Vigilant Resolve. Diese Operation sah die Abriegelung Falludschas und die anschließende RĂŒckeroberung durch US Marines vor. Die US-Soldaten sollten bei dieser Operation durch die von ihnen ausgebildete irakische Nationalgarde unterstĂŒtzt werden. Zu Beginn des Angriffs am 5. April 2004 waren jedoch viele irakische Soldaten desertiert und einige kĂ€mpften auf der Seite der Rebellen.

Trotz massiven Vorgehens gelang es den US-StreitkrĂ€ften nicht, Falludscha zurĂŒckzuerobern. Am 9. April boten die US-Truppen erstmals Verhandlungen ĂŒber einen Waffenstillstand an, zu denen es aber nicht kam. Nach vierwöchiger Belagerung und Verlusten von mehr als 50 US-Soldaten wurde die Operation am 29. April vorerst eingestellt. Durch die Ereignisse wĂ€hrend der KĂ€mpfe, bei denen unter anderem das einzig noch betriebsfĂ€hige Krankenhaus der Stadt durch US-Truppen unter Beschuss geriet, sowie den Missbrauch von Moscheen und Krankenwagen durch irakische KĂ€mpfer (was wiederum den Beschuss dieser Ziele durch US-Soldaten nach sich zog), wurde die Lage weiter verschĂ€rft. Ein MilitĂ€rgouverneur wurde eingesetzt und sollte die Lage in der Stadt beruhigen. Als BevollmĂ€chtigten setzten die Amerikaner den General Dschasim Mohammed Saleh ein und unterstellten ihm eine Brigade der neuen irakischen Armee, die Falludscha-Brigade. Der Blockadering wurde aufgelöst.

Saleh, ein ehemaliger General der Republikanischen Garden unter Saddam Hussein, wurde nach vier Tagen von der StabsfĂŒhrung durch Mohammed Latif ersetzt. Dschasim Mohammed Saleh als FĂŒhrer der Falludscha-Brigade einzusetzen, wurde von der MilitĂ€rfĂŒhrung als Fehler bezeichnet.

Vorbereitung auf die Offensive

Politische Situation im Vorfeld

Auch durch den Einsatz der Falludscha-Brigade konnte die Region nicht befriedet werden und die Stadt fiel schließlich zurĂŒck in die HĂ€nde der AufstĂ€ndischen. WĂ€hrend des Sommers 2004 kam es immer wieder zu EntfĂŒhrungen, Bombenattentaten und Angriffen auf die US-Truppen und zivilen Wiederaufbauhelfer. Das US-MilitĂ€r reagierte mit Luftangriffen auf die vermuteten Aufenthaltsorte von Terroristen. Des Weiteren kam es immer wieder zu kleineren und grĂ¶ĂŸeren Kampfhandlungen zwischen den Rebellen und US-Truppen.

Im Oktober 2004 verdichteten sich – nach mehreren gescheiterten Waffenstillstandsverhandlungen – die Anzeichen fĂŒr eine Großoffensive gegen die Rebellen in Falludscha. Der MinisterprĂ€sident der Übergangsregierung Ijad Allawi forderte die Auslieferung des in der Stadt vermuteten Terroristen Abu Musab az-Zarqawi, der als Drahtzieher zahlreicher Attentate und EntfĂŒhrungen gilt. Die geistliche FĂŒhrung von Falludscha erklĂ€rte ihrerseits, dass sich az-Zarqawi nicht in der Stadt aufhalte.

Allawi verkĂŒndete gegen Ende Oktober, dass sich das Fenster fĂŒr Verhandlungen schließe und verhĂ€ngte am Vortag der Offensive fĂŒr insgesamt 60 Tage den Ausnahmezustand ĂŒber den gesamten Irak. Die Operation war die erste grĂ¶ĂŸere MilitĂ€raktion nach der Wiederwahl von George W. Bush am 2. November 2004.

MilitÀrische Vorbereitung

Im Oktober wurden britische Soldaten aus dem SĂŒden des Irak in den Norden verlegt. Die Briten sollten amerikanische VerbĂ€nde ablösen, damit diese nach Falludscha verlegt werden konnten. Das britische MilitĂ€r half den amerikanischen Truppen bei der erneuten Abriegelung der Stadt. Bei der Eroberung der Stadt waren jedoch keine britischen Truppen beteiligt. Ein Blockadering wurde um die Stadt errichtet. Er sollte die Flucht der AufstĂ€ndischen verhindern. Die zivile Bevölkerung wurde aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Nach Angaben des US-MilitĂ€rs kamen schĂ€tzungsweise 50.000 bis 60.000 Bewohner dieser Aufforderung nach.

Die AufklĂ€rung erfolgte durch unbemannte Drohnen des Typs Dragon Eye. Diese AufklĂ€rungsflĂŒge lieferten dem Generalstab die Angriffsziele fĂŒr die Bombardierung und die spĂ€tere Eroberung. Die Luftangriffe auf die Stadt wurden im Vorfeld der Offensive forciert.

Die AufstĂ€ndischen in Falludscha erahnten Monate im Voraus das Eintreten der Offensive und bereiteten sich dementsprechend auf die bevorstehende Invasion vor. Sie legten Munitionsdepots an, verminten Straßen und bauten Autobomben. Die Truppen der AufstĂ€ndischen setzten sich aus mehreren Gruppen zusammen:

Ehemalige Mitglieder des Hussein-Regimes; AuslÀndische Al-Qaida-KÀmpfer; Einwohner von Falludscha, die sich gegen die Besatzungsmacht auflehnten oder ein getötetes Familienmitglied rÀchen wollten.

Die AufstÀndischen trugen keine Uniform, sondern lediglich ihre zivile Kleidung. Diese Tatsache machte es dem US-MilitÀr schwer, zwischen Feind und Zivilist zu unterscheiden. Das US-MilitÀr schÀtzte die Zahl der aufstÀndischen KÀmpfer auf 5.000 bis 6.000.

Rules of Engagement

Die Rules of Engagement sind ein Regelwerk fĂŒr den Kampfeinsatz der US-StreitkrĂ€fte. Diese Regeln wurden fĂŒr die Operation Phantom Fury von der militĂ€rischen FĂŒhrung angepasst.

‱ Wurden die Bodentruppen aus einem GebĂ€ude heraus angegriffen, so wurde das GebĂ€ude mit Bomben von Kampfflugzeugen oder Artilleriefeuer bekĂ€mpft. Eine AufklĂ€rung, ob sich Zivilisten in dem GebĂ€ude aufhielten, fand nicht statt.
‱ Die Stadt wurde vom MilitĂ€r zum uneingeschrĂ€nkten Beschuss freigegeben (Free-Fire-Zone). Jeder, der sich gegenĂŒber den US-Truppen verdĂ€chtig oder gefĂ€hrdend verhĂ€lt, durfte bekĂ€mpft oder getötet werden.

Beteiligte Truppenteile

Bei der Operation waren laut US-Regierung zwischen 10.000 und 15.000 britische und amerikanische Soldaten im Einsatz. Die britischen Soldaten sollten die amerikanischen VerbĂ€nde bei der Abriegelung Falludschas unterstĂŒtzen, aber ein Kampfeinsatz der britischen Truppen bei der Offensive war nicht geplant. An der Operation Al-Fadschr, wie die Offensive von irakischer Seite genannt wurde, waren ca. 2.000 irakische Soldaten der Übergangsregierung beteiligt. Die irakischen Einheiten spielten bei der Operation nur eine untergeordnete Rolle.

1. Marine-Regiment (Regimental Combat Team 1, RCT-1)

3. Bataillon, 1. US-Marineinfanterieregiment 3. Bataillon, 5. US-Marineinfanterieregiment 2. Bataillon, 7. Kavallerieregiment, US Army (TF 2-7)

7. Marine-Regiment (Regimental Combat Team 7, RCT-7)

1. Bataillon, 8. US-Marineinfanterieregiment 1. Bataillon, 3. US-Marineinfanterieregiment 2. Bataillon, 2. Infanterieregiment, US Army (TF 2-2) 3. Bataillon, 82. Feldartillerie-Regiment, US Army

Irakische StreitkrÀfte

1. Bataillon, 1. Brigade, irakische Eingreiftruppe 2. Bataillon, 1. Brigade, irakische Eingreiftruppe 4. Bataillon, 1. Brigade, irakische Eingreiftruppe 5. Bataillon, 3. Brigade, irakische Nationalgarde 6. Bataillon, 3. Brigade, irakische Nationalgarde 36. Kommando-Bataillon, irakische Nationalgarde SanitÀtseinheit der irakischen Polizei

Zeitlicher Verlauf der Offensive

Montag, 8. November

Mit Artilleriefeuer begann in der Nacht vom 7. auf den 8. November die Operation Phantom Fury. Die US-Armee feuerte mit 155-mm-ArtilleriegeschĂŒtzen und mit den 120-mm-Kanonen der M1-Abrams-Kampfpanzer auf die Stellungen der Rebellen in der Stadt.

Zur gleichen Zeit wurden aus der Luft Ziele mit F-18 Hornet und AC-130 Spectre angegriffen. Nach dem Artilleriebeschuss rĂŒckten Marines und VerbĂ€nde der US Army in die Stadt ein. Die 4.000 Mann starke Einheit RCT-1 (Regimental Combat Team 1), bestehend aus je einem Bataillon des 1. und 5. Marineinfanterieregiments und der Task Force 2-7 (TF 2-7) stieß von der Bahnlinie im Norden in das Viertel Dscholan vor, und weitere 4.000 Soldaten der RCT-7 (Regimental Combat Team 7), bestehend aus je einem Bataillon des 3. und 8. Marineinfanterieregiments und der Task Force 2-2 (TF 2-2) rĂŒckten von Nordosten in das Viertel Al-Askari ein. Ziel war, in einer ersten Phase die Stadt bis zum Highway 10 zu kontrollieren. Die 2. Kampfbrigade der 1. US-Kavalleriedivision isolierte unterdessen die Stadt von SĂŒden her. Die verschanzten AufstĂ€ndischen leisteten durch Platzierung von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen und RPG-Angriffe Widerstand, konnten aber die anrĂŒckenden US-Einheiten nicht aufhalten. Nachdem die Marines die Verteidigungsstellungen der Rebellen durchbrochen hatten, gelang es ihnen, einen Kilometer in das Stadtgebiet vorzurĂŒcken. Im Westen wurden ebenfalls am ersten Tag der Bodenoffensive das Zentralkrankenhaus und die beiden BrĂŒcken ĂŒber den Euphrat von dem 3rd Light Armored Reconnaissance Battalion und dem 36. irakischen Kommandobataillon eingenommen. Bereits am ersten Tag der Operation berichteten amerikanische Soldaten von Beschuss aus den zahlreichen Moscheen heraus, darunter auch von Frauen und Kindern.

Die Versorgung der in der Stadt verbliebenen Zivilbevölkerung brach weitgehend zusammen. Es gab weder Strom noch Wasser und auch keine Lebensmittel. Zudem war die medizinische Versorgung praktisch nicht mehr vorhanden, da KrankenhÀuser und Krankenwagen beschossen wurden und das medizinische Personal geflohen war.

Als Mittel der psychologischen KriegfĂŒhrung wurden die AufstĂ€ndischen mit Liedern der Rockgruppe AC/DC beschallt.

Dienstag, 9. November

Am zweiten Tag der Offensive rĂŒckten die Amerikaner bis zum Stadtzentrum an die Hatra-Muhammadia-Moschee vor. Um die Moschee wurde mehrere Stunden erbittert gekĂ€mpft. Bei der Eroberung der Moschee starben acht amerikanische Soldaten. Die ErstĂŒrmung der Hatra-Muhammadia-Moschee wurde von General George W. Casey Jr. als die hĂ€rteste Herausforderung wĂ€hrend der ganzen Offensive bezeichnet. Einheiten, die von Westen vorrĂŒckten, nahmen die strategisch wichtigen BrĂŒcken ĂŒber den Euphrat ein. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten soll zu diesem Zeitpunkt bereits ein Drittel von Falludscha unter amerikanischer Kontrolle gewesen sein. General Abdel Qader Mohammed Jassim wurde von der Übergangsregierung des Iraks zum Verwalter der Stadt ernannt.

Als Reaktion auf die KĂ€mpfe in Falludscha wurden in Bagdad von Rebellen drei Angehörige des MinisterprĂ€sidenten Ijad Allawi der Übergangsregierung entfĂŒhrt. Die Gruppe der EntfĂŒhrer forderte eine Einstellung der KĂ€mpfe innerhalb von zwei Tagen.

Mittwoch, 10. November

Auch am dritten Tag gingen die KĂ€mpfe zwischen den Rebellen und dem US-MilitĂ€r weiter. Im Verlauf des Tages konnten die amerikanischen Einheiten weitere Stadtteile einnehmen und die Frontlinie weiter nach SĂŒden verschieben. Laut offizieller Stellen der Regierung sei die Stadt zu 70 % unter Kontrolle gewesen. Die amerikanischen Truppen hatten die Stadt nördlich der Autobahn besetzt.

Reporter aus der Stadt berichten von schrecklichen ZustĂ€nden in den umkĂ€mpften Vierteln. Die Leichen der getöteten Rebellen und Zivilisten lagen ĂŒberall auf der Straße. Es wurde davon berichtet, dass verwahrloste Hunde die Leichen in den Straßen angefressen hĂ€tten.

Donnerstag, 11. November

Am vierten Tag nach dem Beginn der Offensive rĂŒckten die US-Truppen in das Industrieviertel der Stadt vor. Zur Überraschung der amerikanischen Soldaten nahm der Widerstand der Rebellen wieder zu. Eine vergleichsweise kleine Gruppe von AufstĂ€ndischen verzögerte das Vordringen der US-Marinesoldaten westlich des Industrieviertels um Stunden.

Am Ende des Tages war das Industrieviertel in amerikanischer Hand, aber die StreitkrĂ€fte westlich des Viertels hatten keine großen Raumgewinne verzeichnet. Nach Angaben der US-StreitkrĂ€fte wurden bis zum Abend des 11. November 18 amerikanische und fĂŒnf irakische Soldaten getötet. Verwundet wurden bis zu diesem Zeitpunkt 164 Soldaten. Die geschĂ€tzte Zahl der getöteten und verwundeten Rebellen wurde mit 600 angegeben.

Bei den Durchsuchungen der HĂ€user im eroberten Stadtgebiet fanden irakische Soldaten Depots von Waffen und Munition und RĂ€ume, die als „SchlachthĂ€user“ bezeichnet wurden. Die Terroristen hatten in diesen RĂ€umen ihre entfĂŒhrten Opfer und deren Enthauptungen gefilmt.

Freitag, 12. November

Am Freitag wurde die zweite Phase der Operation Phantom Fury eingeleitet. Im amerikanisch kontrollierten Bereich gingen die Soldaten von Haus zu Haus und durchsuchten jedes einzelne nach versteckten Terroristen und Rebellen. Das US-MilitĂ€r bezeichnete dieses Vorgehen auch als „AufrĂ€umarbeiten“. Gleichzeitig schritt die RĂŒckeroberung der Stadt fort. Die Einheiten der USA rĂŒckten weiter nach SĂŒden vor.

Die Nachricht von der Situation in Falludscha und besonders das Leiden der zivilen Bevölkerung hatte sich im ganzen Irak herumgesprochen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft ging durchs Land und es wurden Lebensmittel und Wasser fĂŒr die BĂŒrger von Falludscha gespendet. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond wollte die Bevölkerung der Stadt mit den HilfsgĂŒtern versorgen, jedoch verweigerte das US-MilitĂ€r ihren Lkw den Zugang zur Stadt.

Samstag, 13. November bis Dienstag, 16. November

Am Samstag wurde im SĂŒden der Stadt weiter gekĂ€mpft. Die letzten Widerstandsnester der Rebellen wurden mit Artillerie, Panzern und Kampfflugzeugen beschossen, bevor die Bodentruppen vorrĂŒckten. Am Abend gelangte das letzte Viertel unter die Kontrolle der amerikanischen Einheiten. Der Zwei-Sterne-General Richard F. Natonski stellte am Samstagabend fest, dass die Hauptkampfhandlungen beendet seien und die Truppen nun mit den AufrĂ€umarbeiten beschĂ€ftigt seien. Diese AufrĂ€umarbeiten zogen sich bis zum Dienstag hin.

Auch an diesen Tagen blieb es den Hilfsorganisationen verwehrt, in die Stadt zu fahren, um dort die zivile Bevölkerung zu versorgen. Die US-Regierung erklÀrte, dass sie nicht glaube, dass noch Zivilisten in der Stadt seien.

Am neunten Tag der Bodenoffensive war die Stadt Falludscha weitestgehend eingenommen und unter amerikanischer Kontrolle.

Falludscha nach der Operation

Auswertung

Das Ziel, den Terroristen Abu Musab az-Zarqawi entweder zu töten oder gefangen zu nehmen, wurde nicht erreicht. Der gesuchte Terrorist konnte aus der abgeriegelten Stadt entkommen, sofern er zu Beginn der Operation noch dort war. Es konnten viele AufstĂ€ndische bereits vor der Belagerung aus der Stadt fliehen und den Kampf gegen die Amerikaner in anderen StĂ€dten fortfĂŒhren.

Das zweite Ziel, fĂŒr StabilitĂ€t bei den Wahlen am 30. Januar zu sorgen, konnte nicht vollstĂ€ndig erreicht werden. Zwar konnten die Wahlen abgehalten werden, jedoch kam es im Vorfeld vermehrt zu SelbstmordanschlĂ€gen und Boykottaufrufen. Im sunnitischen Dreieck wurden die Wahlen unter strengen Sicherheitsvorschriften durchgefĂŒhrt. Viele sunnitische Iraker folgten den Aufrufen und boykottierten die Wahl. Viele WĂ€hler im sunnitischen Dreieck gingen auch aus Angst nicht wĂ€hlen, weil die Terrorgruppe Tawid wal-Jihad von az-Zarqawi zum Mord an den WĂ€hlern aufrief.

Verluste

Das US-MilitĂ€r schĂ€tzte die Zahl der getöteten AufstĂ€ndischen auf 1.200. Eine genaue Zahl der Verwundeten wurde nicht bekanntgegeben und ist nicht zu ermitteln. Im Rahmen der Operation Phantom Fury wurden etwa 1.500 AufstĂ€ndische vom US-MilitĂ€r festgenommen oder werden noch vermisst. Viele der Vermissten werden in den TrĂŒmmern von eingestĂŒrzten WohnhĂ€usern vermutet. Die Gefangenen wurden der MilitĂ€rpolizei ĂŒberstellt und im Abu-Ghuraib-GefĂ€ngnis inhaftiert.

Im Vergleich zu den aufstÀndischen Irakern hatte das US-MilitÀr nur geringe Verluste. Diese Verluste beliefen sich auf 64 gefallene und 425 verwundete Soldaten. Drei US-Soldaten kamen durch einen Unfall ums Leben und 61 starben durch feindliches Feuer. Die irakischen StreitkrÀfte auf Seiten der amerikanischen Truppen hatten sechs Gefallene und eine unbekannte Zahl an Verwundeten.

Das US-MilitÀr stellte fest, dass seine Verluste beim Kampf im stÀdtischen Gebiet (US-Bezeichnung MOUT = Military Operations in Urban Terrain) pro Tag um 20 Prozent höher lagen als wÀhrend der Hauptkampfhandlungen im MÀrz und April 2003.

Fazit

Die Operation Phantom Fury zerstörte fast die ganze Stadt Falludscha. 65 Prozent der HĂ€user wurden zerbombt und der verbliebene Wohnraum stark beschĂ€digt. Die HĂ€lfte der 120 Moscheen der Stadt wurde bei der Offensive zerstört oder beschĂ€digt. Von den 350.000 Menschen, die vor der Offensive in der Stadt gelebt hatten, waren 25.000–30.000 in der Stadt geblieben oder kurz nach den KĂ€mpfen zurĂŒckgekehrt. ZurĂŒckkehrende BĂŒrger mussten sich die FingerabdrĂŒcke abnehmen und die Iris scannen lassen, womit Personalausweise erstellt wurden.cite-ref-4[4] Die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Strom, Benzin und Trinkwasser war schlechter als vor dem Einmarsch. Das General Hospital als einzig verbliebenes Krankenhaus konnte die medizinische Versorgung nicht abdecken. Der ĂŒberwiegende Teil der Einwohner lebte in einem FlĂŒchtlingscamp außerhalb der Stadt.

Kriegsverbrechen

WĂ€hrend der Operation Phantom Fury wurden AufstĂ€ndische mit Phosphor-Granaten aus geschĂŒtzten Stellungen getrieben, um sie dann mit anderen Waffen bekĂ€mpfen zu können. US-StreitkrĂ€fte hĂ€tten nach RAI-Angaben in Falludscha zudem eine Art Napalm und weißen Phosphor gegen Zivilisten eingesetzt. Die Autoren beriefen sich auf Aussagen amerikanischer Soldaten, die Szenen von durch Phosphorgranaten verbrannten Körpern zahlreicher Zivilisten schilderten.cite-ref-5[5]cite-ref-stern-549762-6-0[6] Dies wurde vom US-Außenministerium bestritten. Die United States Army leugnete den Einsatz zunĂ€chst, gab ihn jedoch spĂ€ter zu. Ein GI berichtete, er habe Leichen von Phosphorwaffen-Opfern beseitigen mĂŒssen. Die USA haben die Zusatzprotokolle von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949, die unterschiedslose Angriffe untersagen, nicht unterzeichnet. Sie rechtfertigen den Einsatz weißen Phosphors damit, dass er nicht als chemische Waffe auf Grund seiner Giftigkeit verwendet werde, sondern als Brandmittel fĂŒr eine konventionelle Waffe.

Am 16. November berichtete der US-Nachrichtensender NBC von einem Vorfall, der sich wĂ€hrend der Operation Phantom Fury ereignete und die der Journalist Kevin Sites mit einer Videokamera festgehalten hatte. Der US-Amerikaner gehörte zu denjenigen Presseleuten, die sich mit den kĂ€mpfenden US-Einheiten in Falludscha bewegten. Sein Bericht schildert das Verhalten eines US-Marinesoldaten wĂ€hrend der Offensive Phantom Fury. Das Video zeigte, wie eine Gruppe von US-Soldaten eine Moschee in Falludscha betrat und wie einer von ihnen einem verwundeten und unbewaffneten Iraker in den Kopf schoss. Vor dem tödlichen Schuss sagte der betreffende Soldat zu seinen Kameraden: Verdammt noch mal, er tut nur so, als ob er tot sei, er simuliert nur seinen verdammten Tod. Nach der Tat war er mit den Worten Nun, jetzt ist er tot zu hören. Der erschossene Araber war einer von fĂŒnf Gefangenen, die am sechsten Tag der Offensive in einer eroberten Moschee zurĂŒckgelassen worden waren. Die Veröffentlichung dieses Videofilms hatte weltweite Empörung hervorgerufen. Im Nahen Osten kam es aufgrund des NBC-Berichts zu Protesten gegen die Vorgehensweise der USA in Falludscha.

Der betreffende Soldat wurde von der Front abgezogen und suspendiert. Das Pentagon leitete eine öffentliche Untersuchung des Vorfalls ein. Sollte es sich bei diesem Vorfall um ein Kriegsverbrechen handeln, so wĂŒrde der betreffende Soldat vor ein Kriegsgericht gestellt, hieß es aus dem Pentagon. Nach einer Untersuchung durch den Kriminalermittlungsdienst der US-Navy (NCIS) wurde beschlossen, keine Anklage gegen den Soldaten zu erheben.cite-ref-7[7]

Amnesty International rĂŒgte das Vorgehen des US-MilitĂ€rs in Falludscha und sprach von Kriegsverbrechen (Tötung von Zivilisten), die von US-Soldaten begangen worden seien. Amnesty International berief sich dabei auf Augenzeugenberichte von Ärzten, Reportern und Zivilisten. Das US-Verteidigungsministerium behauptet weiterhin, alle Zivilisten hĂ€tten die Stadt vor dem Beginn der Offensive verlassen. TatsĂ€chlich wurde allen mĂ€nnlichen BĂŒrgern im Alter zwischen 17 und 60 Jahren die Flucht aus der Stadt verweigert.

Aufarbeitung

Im September 2006 rĂ€umte Oberstleutnant Barry Venable fĂŒr das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten in einem Interview mit der BBC den Einsatz von Phosphorwaffen ĂŒber den ĂŒblichen Rahmen als Blendwaffe hinaus ein.cite-ref-8[8]

Captain James T. LaCour berichtet ĂŒber den Einsatz von Weißem Phosphor zu tödlichen Zwecken (lethal missions) wĂ€hrend des Beschusses von Falludschah.cite-ref-9[9]

Zitate

‱ Donald Rumsfeld behauptete: „Es wird keine großen Verluste bei der Zivilbevölkerung geben und erst recht nicht durch US-StreitkrĂ€fte“.cite-ref-10[10]
‱ General George W. Casey junior beschrieb die in der Stadt verbliebenen Menschen als eine amorphe Gruppe von Terroristen und AufstĂ€ndischen.cite-ref-11[11]
‱ Robert Burns, MilitĂ€rjournalist von AP schrieb: „Jede militĂ€rische Operation bekommt einen Decknamen und bei dieser wurde der Name auf Allawis Bitten hin in Operation Al-Fadschr geĂ€ndert.“

Literatur

‱ Bettina Gaus: Frontberichte. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2004, ISBN 3-593-37543-5.
‱ Mohammed Hassan, David Pestieau: Irak. Der Widerstand. Auge in Auge mit den Besatzern. Zambon-Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-88975-110-5.
‱ Reiner Luyken: Die Falludscha-Falle. In: Die Zeit. Hamburg 28. Juli 2005, S. 15ff, ISSN 0044-2070.
‱ Sascha Lange: Falludscha und die Transformation der StreitkrĂ€fte. HĂ€userkampf in StĂ€dten als dominante KernfĂ€higkeit der Zukunft? Diskussionspapier der Stiftung Wissenschaft und Politik. Januar 2005, 7 Seiten.
‱ Bing West, Francis J. West: No True Glory. A Frontline Account of the Battle for Fallujah. Bantam Books, New York 2005 (englisch),. ISBN 0-553-80402-2.
‱ Patrick K. O'Donnell: We Were One: Shoulder to Shoulder with the Marines Who Take Fallujah. Da Capo Press, Cambridge (Massachusetts) Oktober 2007, ISBN 0306815737
‱ Dick Camp: Operation Phantom Fury: The Assault and Capture of Fallujah, Iraq. Motorbooks Intl November 2009 (englisch)
‱ Les FantĂŽmes furieux de Falloujah „OpĂ©ration AL-FAJR/PHANTOM FURY“ (juillet-novembre 2004). Centre de doctrine d'emploi des forces, MinistĂšre de la dĂ©fense français, livre Ă  tĂ©lĂ©chargerm (PDF, franz.; 5,64 MB) (Memento vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive)

Weblinks

Commons

: Operation Phantom Fury

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Fallujah Video bei RAI News (italienisch) (Memento vom 23. Juli 2006 im Internet Archive)
‱ Caught In The Crossfire: The Untold Story of Fallujah by Mark Manning, Pt.1 (Video)
‱ Caught In The Crossfire: The Untold Story of Fallujah by Mark Manning, Pt.2 (Video)

Einzelnachweise

cite-note-11. American Forces Press Service: Fallujah Secure, But Not Yet Safe, Marine Commander Says (18. Nov. 2004, englisch) (Memento vom 1. MĂ€rz 2010 im Internet Archive)
cite-note-22. Lit.: Francis J. „Bing“ West in No True Glory: A Frontline Account of the Battle for Fallujah. ISBN 0-553-80402-2.
cite-note-33. ↑ More Iraqis Tortured, Officer Says The 82nd Airborne is accused of abuses in 2003 and early 2004. A criminal inquiry begins. By Richard A. Serrano, Times Staff Writer – Artikel 24. Sept. 2005
cite-note-44. ↑ Yassin Musharbash: Biometrie: Big Brother in Bagdad. In: Spiegel Online, 16. August 2007.
cite-note-55. ↑ US-Armee und britische Truppen setzten Phosphor ein (Memento vom 25. November 2005 im Internet Archive) In: ZDFheute, 16. November 2005.
cite-note-stern-549762-66. ↑ Reuters, AP, DPA: Irak: USA verteidigen Einsatz von Phosphor. In: stern.de. 17. November 2005, abgerufen am 3. April 2015.
cite-note-77. ↑ CNN 5. Mai 2005 (englisch)
cite-note-88. ↑ AFP, bei GMX eingesehen am 2. Oktober 2006@1@2Vorlage:Toter Link/www.gmx.net (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im MĂ€rz 2018. Suche in Webarchiven)
cite-note-99. ↑ The fight for Fallujah, After Action Review, Absatz 9b (englisch) (Memento vom 26. Januar 2007 im Internet Archive)
cite-note-1010. ↑ Washington Times: U.S. ground forces hit Fallujah (englisch)
cite-note-1111. ↑ U.S. Commander in Iraq: Attack on Schedule (Memento vom 11. November 2004 im Internet Archive) (englisch)